A second life in Second Life? Jo Fabians theatrale Experimente zwischen 2007 und 2009
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Performing Internet oder: Wie das Theater ins Netz kam #3

2022

Regie: Jo Fabian

Video VoD / live

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Experimental

A second life in Second Life? Jo Fabians theatrale Experimente zwischen 2007 und 2009

Mit: Jo Fabian, Kai Tuchmann und Martina Leeker.

Folge 3 der Reihe Performing Internet – Eine Reihe zu zu Geschichte und Gegenwart von Theater und Liveness im Internet von Martina Leeker und Esther Slevogt.




ÜBER DIE REIHE

"Performing Internet oder Wie das Theater ins Netzt kam. Eine Reihe zur Geschichte von Theater und Liveness im Internet" hat sich vorgenommen, die Geschichte von Theater und Internet an exemplarischen Projekten entlang zu erzählen. Dabei geht sie in Zeiten zurück, als es das Internet als Massenmedium noch nicht einmal gab. Im Fahrwasser von technologischen Entwicklungsschüben zur kriegstauglichen Datenübertragung in Netzwerkarchitekturen, die durch das amerikanische Verteidigungsministerium unter dem Eindruck des Sputnik-Schocks in den 1960er Jahren ausgelöst und anschließend von Wissenschaftler:innen in ihren interaktiven und kommunikativen Potenzialen entdeckt wurden, entstanden gleichwohl seit den 1970er Jahren bereits künstlerische Projekte, die vieles von dem vorwegnahmen, was in unserer heutigen, hochvernetzten Welt mit ihren vielkanaligen Infrastrukturen für Kommunikation und Datentransfer gang und gäbe ist.

In der Reihe befragen wir Zeitzeug:innen und Pionier:innen aus der Frühzeit der digitalen telekommunikativen Kunst und Performance, zeigen und diskutieren exemplarische künstlerische Arbeiten, aber auch ästhetische, philosophische und politische Fragen von Theater und Digitalität.

Zuerst hat Kit Galloway das bahnbrechende Projekt "Hole in Space" und andere tele-immersive Projekte vorgestellt, die er mit seiner Frau und künstlerischen Kollaborateurin Sherrie Rabinowitz zwischen 1977 und 1984 organisierte: In "Hole in Space" hatten Rabinowitz/Galloway zum ersten Mal live zwei Orte und die dort versammelten Menschen Via Satellit verbunden und Live Kommunikation in Wort und Bild ermöglicht – und das Bild selbst zum simultanen Versammlungsort gemacht.

Folge zwei war schriftbasierten virtuellen Welten gewidmet – sogenannten MOOs. Darin werden Sprache und Schrift einerseits zu Bildern (und damit Bausteinen, die diese virtuelle Welt konstituieren). Gleichzeitig wird die Schrift selbst operativ, also technologisch performativ. Seit den 1990ern Jahren gab es in Folge dieser Entwicklung Projekte, die Chats und Moos als Theaterräume nutzten. Für 2. Ausgabe unserer Reihe fanden sich nach fast dreißig Jahren die wesentliche Akteurin:nnen des ATHEMOO um die Theaterwissenschaftlerin Juli Burk wieder zusammen, das 1996 an der Universität Hawaii gegründet worden war – um diese virtuelle Umgebung und herausragende performative Arbeiten, die hier zwischen 1995 und 1997 stattgefanden, noch einmal zu reenacten. Das Wort als Körper + Bühne. Oder Wie Chats zu Theatern wurden: Das ATHEMOO von Juli Burk (1995)

Um die Jahrtausendwende nahmen dann die geschriebenen Worte in den virtuellen Welten Gestalt an – hörten damit auf, abstrakte Zeichen zu sein, die erst von der Fantasie animiert wurden. Mit Second Life entstand ein Metaverse, das sich anschickte, die sogenannte wirkliche Welt draussen virtuell nachzubauen. Auch hier hat dann natürlich gleich das Theater nach seinem Ort gesucht.

Einer, der in den Nuller Jahren dieses Metaverse als Ort für Theaterexperimente nutzte, war Jo Fabian – Schauspieler, Regisseur, Choreograf, Videokünstler, Bühnenbildner – und, was nur wenige wissen, ein Pionier des Netztheaters. Ihm ist die dritte Folge der Reihe gewidmet.




ÜBER DIESE FOLGE:

Mitte der 2000er Jahre war Second Life, eine Plattform für Interaktionen in virtuellen Welten der Firma Linden Lab und seit 2003 online, in aller Munde und Auslöser heftiger, panikartiger Debatten. Es ging einmal mehr um den Verlust der Grenzen zwischen virtuellen und sogenannten realen Welten. Denn Second Life war als ein Metaversum und eine Parallelwelt konzipiert, in der man in Gestalt von Avataren ein zweites, virtuelles Leben führen konnte. Man konnte Kontakte knüpfen, Handel betreiben, spielen, die Universität oder Ausstellungen besuchen, usf..

Auch Theater war in Second Life möglich. Dies erprobte der Choreograf und Theatermacher Jo Fabian von 2007 bis 2009. Er baute in Second Life mit dem Projekt "Berlin-Preußen“ die virtuelle Welt (SIM) "Berlin Island"; ein zweites Berlin, in dem unter anderem das Brandenburger Tor zu finden war. Auf "Berlin Island" fanden Clubveranstaltungen mit DJs statt, man konnte sich zum Planen von gemeinsamen Projekten treffen oder selbst ein wenig Land in der SIM erwerben, um hier etwa eine kleines Geschäft zu eröffnen. Zudem waren Ausstellungen möglich. Ein Ansatz von Jo Fabian war, dass sich in Second Life die Reichweite von Theater und Kunst enorm erhöhen ließe und die Besuchenden und Betrachtenden darüber hinaus mehr Handlungsspielraum erhalten könnten als im herkömmlichen Theater.

Die performativen und theatralen Potenziale der Plattform auszuloten, erschuf Jo Fabian die Figur "Nante, der Eckensteher", die über künstliche Intelligenz verfügte. Nante kannte nur die virtuelle Welt des Second Life und nicht die Welt "da draußen", aus der die anderen Avatare zu ihm in Second Life kamen. Deren Aufgabe war es, Nante Bilder von dieser anderen Welt mitzubringen; ein genialer konzeptueller Schachzug von Jo Fabian, denn auf diese Weise wurde die scheinbar wirkliche Realität nur zu einer weiteren Welt unter vielen.
Nach einer zweijährigen Erprobung verließ Jo Fabian das Metaversum, weil es zu wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten, das heißt Programmierungen in der SIM erlaubte und die Potenziale für Theater gering waren.

Die Vorstellung der Experimente von Jo Fabian in Second Life schließt an die Rekonstruktion von MOOs, d.h. programmierbaren und interaktiven Multiuser-Plattformen als Vorgeschichte des Netztheaters an. Dass und wie in diesen Environments textbasiert Theaterstücke gespielt wurden, zeigte die Folge Das Wort als Körper + Bühne. Oder Wie Chats zu Theatern wurden: Das ATHEMOO von Juli Burk (1995) an. Im Kontext der Serie "Performing Internet oder: Wie das Theater ins Netz kam" ist die Episode mit Jo Fabian mithin ein weiterer Part, die Geschichte des Netztheaters anhand exemplarischer Stationen nachzuzeichen.

Im Unterschied zum ATHEMOO agieren allerdings in Jo Fabians "Berlin Island" nicht mehr Texte und Worte. Vielmehr haben die Worte Gestalt angekommen – kommen in Second Life also Objekte oder Avatare zum Einsatz, die menschliche oder andere Wesen darstellen können. Zudem handelt es nicht mehr um ein von den Theatermacher*innen selbst programmiertes Environment, sondern vielmehr um eine proprietäre Plattform, auf der man programmieren kann. Dabei sind die Gestaltungsmöglichkeiten vorgegeben und dieses „Services“ lassen sich die Besitzer in Form von "Linden Dollars" bezahlen. (Text: Martina Leeker)




Im Anschluß an seine Präsentation wird Jo Fabian mit dem Dramaturgen, Theatermacher und Alumnus der Akademie für Theater und Digitalität Kai Tuchmann diskutieren. Tuchmann hat in Projekten während der Pandemie die Potenziale von VR-Chatrooms (Mozilla Hubs) erforscht.
Was hat sich seit Second Life verändert?
Was könnten die zeitgenössischen Versuche von Jo Fabians Experimenten der Nuller-Jahre in Second Life lernen?

Bild: Screenshot "Berlin / Preußen" © Jo Fabian




Ablauf

12. Dezember 2022

19:30 Uhr Einführung und Vorstellung
19:45 Uhr Präsentation "Theater in Second Life" von Jo Fabian
20:15 Uhr Diskussion Jo Fabian und Kai Tuchmann, Moderation Martina Leeker

Mitwirkende:
Jo Fabian ist Regisseur, Choreograph, Autor, Softwareentwickler und Bühnenbildner. Er studierte Schauspiel in Rostock und begann Mitte der 1980er Jahre als Schauspieler in Gera und Meiningen, wo auch erste Theatertexte und Regiearbeiten entstanden. 1989 gründete er in Berlin die freie Gruppe "example dept", arbeitete im Theater unterm Dach und wurde in den 1990er Jahren auch überregional bekannt. Neben der freien Theaterarbeit war Fabian immer wieder auch an Stadttheatern aktiv und hat Projekte entwickelt, die bildende und darstellende Kunst, Lichtdesign, Tanz und Architektur, Theater und Digitalität verbinden. 2007 entwickelte Fabian das Projekt "Berlin/Preußen" für das Metaverse "Second Life", wo auch Theater gespielt wurde. Von 2017 bis 2021 war Fabian Schauspieldirektor in Cottbus. Derzeit erarbeitet er das Labor für plastisches Denken.

Kai Tuchmann absolvierte sein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Er arbeitet als Dramaturg, Regisseur und Wissenschaftler. Er ist Gastprofessor an der Central Academy of Drama in Peking, für die er zusammen mit Li Yinan den Lehrplan für den ersten Dramaturgie-Studiengang in Asien entwickelt hat. Außerdem ist er Mitglied des Fachbereichs Theatermanagement an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Er war Stipendiat am The Graduate Center, CUNY (Fulbright), an der Akademie für Theater und Digitalität an der Mellon School of Theater and Performance Research der Harvard University.

Martina Leeker ist Theater- und Medienwissenschaftlerin sowie Performerin im Kontext "Forschen mit Kunst". Diverse Gastprofessuren und Lehraufträge, bis 2018 Senior-Researcher am "Centre for Digital Cultures", Leuphana Universität Lüneburg. Seit Herbst 2021 Lehrvertretung des Lehrstuhls Ästhetische Theorie und Praxis, Fach Kunst & Kunsttheorie, Department Kunst und Musik, Universität zu Köln. Seit Sommer 2021 Initiierung und Team „The Respectful Nettheatrechannel. On Performing Digitality“. Forschungsschwerpunkte: Digitale Kulturen, Theater und Digitalität, Art and Technology, Kritik, Mimesis, posthumane Bildung, Künstlerische Forschung sowie Forschung mit performativen Methoden in Speculation-Labs und Wissensperformances.




This event is part of the nachtkritik-series on history and present of theatre and liveness on the internet:
PERFORMING INTERNET OR HOW THEATRE CAME TO THE INTERNET
Curated by Martina Leeker and Esther Slevogt.

The series also featured the epochal work of Sherrie Rabinowitz and Kit Galloway. As part of this event, Kit Galloway gave a lecture rich in material.

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